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Mit großer Trauer geben wir bekannt, dass Firuz Askin am 3.10.2011 verstorben ist. Er hat mit seinen 119 Cover-Illustrationen auf unnachahmliche Weise unsere Außenwahrnehmung geprägt. Wir sind sehr dankbar für die erfüllende 7-jährige Zusammenarbeit und vermissen ihn schon jetzt schrecklich – menschlich und künstlerisch.

Es waren seine 8 wunderschön nach den malerisch leider eher dürftig ausgeführten MC-Covern (eines anderen Künstlers) nachgeschaffenen HUI BUH-Cover (Folgen 16-23), gemalt für die CD-Auflage 2004-06, die uns damals auf Firuz Askin aufmerksam werden ließen.

Zu dieser Zeit dachten wir über einen Design-Wechsel für das GRUSELKABINETT nach. Die stimmungsvollen Photos der Folgen 1-9 sollten durch atmosphärische, gemalte Cover ersetzt werden. Firuz Askin nahm sich auf unsere Bitte hin sofort der Sache an. Die ersten Skizzen für den Gruselkabinett-Rahmen waren bereits sehr vielversprechend. Vollkommen von seinen Qualitäten als Maler überzeugte uns dann aber sein erstes Titelbild. Es war die Illustration zu Folge 3 der beliebten Reihe: „Die Familie des Vampirs“. Damit war das neue Design geboren.

Unvergessen ist, wie wir begeistert bei ihm anriefen und völlig aus dem Häuschen waren, weil uns das gesandte Bild so gut gefiel, und der Künstler merkwürdigerweise aus dem Lachen nicht mehr herauskam. „Herr Bosenius, das ist doch nur eine Aquarell-Skizze! Das male ich Ihnen natürlich erst noch in Öl. Wird noch schöner, Sie werden sehen!“

Und so war es! Firuz Askin begab sich sofort an die Arbeit und legte Zeichenstift und Pinsel für uns in den folgenden 7 Jahren nicht mehr aus der Hand. Insgesamt 119 Illustrationen hat er in dieser Zeit für Titania Medien gemalt. 70 Cover für das GRUSELKABINETT, 20 für ANNE AUF GREEN GABLES, 14 für die TITANIA SPECIALS, 12 für SHERLOCK HOLMES sowie zwei Holmes & Watson-Bilder für den CD-Aufdruck und die Sprecherliste – nicht zu vergessen das Titelbild für TRÄUMEREIEN AN FRANZÖSISCHEN KAMINEN. Und natürlich der GRUSELKABINETT-Rahmen. Also sind es im Grunde eigentlich 120 Bilder.

Firuz Askin verstand es dabei wie kein Zweiter, sich in seinen Bildern von den in den Hörspielen vorherrschenden Stimmungen malerisch leiten zu lassen. Seinen Skizzen ging stets eine sehr aufwendige Recherche voraus, in der er sich von seiner Maxime leiten ließ „Herr Bosenius, unsere Cover-Version dieses Stoffes muss die Beste am Markt sein“. Dass ihm dies gelang, davon legen die vielen über die Jahre gewonnenen Hörspiel-Preise beredtes Zeugnis ab.

Stets erhielt er von uns Informationen zur Geschichte und einen ersten Vorschlag für die Inszenierung der Illustration. Es folgten dann, nach Abschluss seiner Recherchen, einige Bleistift-Skizzen und mindestens ebenso viele nette Telefonate, in denen wir uns genau abstimmten. Die Farb-Ausführung der LP-großen Original-Illustrationen wurde dann letztlich in Öl-, Aquarell- und Acryl-Farben ausgeführt. Es war vor allem auch das großartige Farb-Empfinden, welches Firuz Askins Titelbilder so besonders machten. Sein Anspruch an die eigenen Arbeiten war sehr hoch. Es kam durchaus vor, dass fertige Cover, die wir sehr schön fanden, dann doch von ihm noch mal komplett neu gemalt wurden – die zweite Reinzeichnung war tatsächlich stets eine Verbesserung und gab dem Künstler Recht.
Uns waren seine Cover-Illustrationen, die ja meistens lange vor den Arbeiten am Drehbuch und der Produktion vorlagen, immer ein Ansporn in unserem Bereich ebenfalls das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. 

Seine Kreativität war bis zuletzt ungebrochen, auch wenn er in den zurückliegenden Monaten schon von einer schweren Krankheit geschwächt war. Sein plötzlicher Tod verhinderte die Fertigstellung der Arbeiten an den Covern unserer nächsten Lovecraft-Vertonung. Die Skizzen lagen teilweise schon vor...

Sehr gefreut hat er sich zwei Wochen vor seinem Tod noch über das Sherlock-Holmes-Werbeplakat, welches ihn so wohltuend an seine Haupt-Arbeit in den 50er Jahren erinnerte: Kino-Plakate. „Herr Bosenius, die Titania-Aktien werden weiter steigen!“ waren seine letzten an uns gerichteten Worte. Die Telefonate mit ihm (mehrmals wöchentlich!) fehlen uns schon jetzt, schimmerte doch immer Firuz Askins feinsinniger Humor dabei durch. Sein einprägsames Lachen zu hören und ein fröhliches „ich grüße auch – how are you“ war stets ein Vergnügen.

Wir sind froh und dankbar, dass er uns und den vielen Hörspiel-Fans mit seinen Arbeiten in der Spätphase seiner großen und langen Karriere soviel Freude gemacht hat. Zu Weihnachten gestand er im letzten Jahr, dass es ihm persönlich auch ein großes Vergnügen war, da wir – durch alle Genres hindurch – immer genau die Themen vertonten, die er privat auch so sehr mochte. Das sah man seiner Kunst an. In seinem umfangreichen Werk wird er unvergessen bleiben. Seinen „fleißigen Boys“ (wie er uns immer nannte) sowieso.

Im Heider-Verlag ist noch der wunderbare Bildband erhältlich, der einen sehr schönen Überblick bietet über die lange und erfolgreiche Karriere des Künstlers Firuz Askin. Wir trauern mit seinen beiden Söhnen, den Enkelkindern und allen Anverwandten und Freunden. Ein großer Künstler hat den Pinsel für immer aus der Hand legen müssen...

Stephan Bosenius & Marc Gruppe im Oktober 2011